Aus der Familienchronik:
Rideburg, Dorf, Pfarrkirche und Ritterguth! Rideburg hat den Namen von dem Bache, die Ride oder Reide, der dabey wegfleust. Es liegt eine Stunde von Halle gegen Morgen und ein Teil davon liegt auf kurfürstlich sächsischen Territorium unter des Amtes Delitzsch Jurisdiktion. Dieser Teil wird das Kapellenende genannt. Der übrige Teil des Dorfes gehört mit Ober-und Untergerichten zum Amte Giebichenstein, unter dessen Jurisdiktion auch die Rittergüter, so amtssässig, stehen.

§ 2. Die Pfarrkirche heißt zu St. Gertrud, wozu die zu Bischdorff als ein Filial gehöret. Sie ist alt und hat auch noch einen alten Altar mit heiligen Bildern besetzt, in welchen eine neue Kanzel angebracht ist. Die Orgel ist auch neu. Auf dem Turm sind drei Glocken. Zur Kirche gehört eine halbe Hufe Land und eine Wiese in sächsischer Hoheit. Prediger sind an derselben gewesen:
  1. M. Andresas Hübner gest. 1659
  2. dessen Sohn M. Michael Andreas Hübner gest. 1700, so ihm 1658 substituiret worden, und beide auf 100 Jahr das Pfarramt bekleidet haben.
  3. Johann Peter Voigt
  4. Johann Christian Voigt
  5. Christian Müller, derzeitiger Paster, dessen Eigensinn und Commodität nicht zugelassen hat, außer diesen bloßen Namen mir ein Mehreres zu communizieren. Die Pfarre hat eine Hufe Landes und von drei und dreiviertel Hufen den Schockzehnt; wobei der Pfarrer wegen des Filials Bischdorf besonders zwei Hufen Landes, zwei Wiesen und einen Pfarrgarten zu nutzen hat.

§ 3. In alten Zeiten ist eine Burg zu Rideburg gewesen. Sie hat den Markgrafen zu Landsberg zugehöret und nach Markgraf Heinrichs absterben von dessen Witwe Agnes mit den dazugehörigen Dörfern dem Erzstift Magdeburg geschenkt worden. Solches ward Tilemannen von Dieskau, einen Burgmann zu Rideburg, von wegen des Erzstifts zu bewahren eingeräumt. Aber Herzog von Magno zu Braunschweig, der als Markgraf Heinrichs Schwiegersohn auf dessen Hinterlassenschaft Praetension machte, besetzte Rideburg.
Durch einen Vergleich wurde es Markgraf Friedrich zu Meißen eingeräumt und von ihm besetzt. Wegen dieser Hinterlassenschaft Markgraf Heinrichs war Friedrich zu Meißen mit dem Erzstift Magdeburg und der Stadt Halle, der daraus großer Schaden entstand, in Streit geraten. Deshalb zog Erzbischof Otto 1347 mit Hilfe der Städte Magdeburg und Halle vor die Burg und belagerte sie. Markgraf Friedrich der sie entsetzen wollte, wurde in die Flucht geschlagen. Die Burg wurde erobert und zerstört. 1357 wurde zwischen Erzbischof Otto und Markgraf Friedrich ein Vergleich getroffen. Der Platz der zerstörten Burg ist noch vorhanden und gehört zum Eigentum des Ritterguts Sagisdorf. Zur Beschützung dieser Burg gab es verschiedene Burgmänner die auf ihren Burglehen oder Sattelhöfen saßen. Darunter das Geschlecht derer von Dieskau die im 14. Jahrhundert daselbst ein Gut besessen. Albrecht von Dieskau wurde von Henning von Steinfurt erschlagen. Später hat er sich mit dessen Freunden Otto, Dietrich und Carl von Dieskau 1358 wegen dieses Totschlags dahingehend vertragen, daß er zu deren Versöhnung zu Rideburg eine Kapelle zu St. Catharinen und solche mit gewissen Zinsen datieret, welches Erzbischof Otto confirmirt. Docum Nr. 603. Conrad von Dieskau und Heinrich von Zernitz wurden noch einige andere Güter übereignet. Docum Nr. 604. Die Kapelle St. Catharinen und die dazugehörigen Güter und Zinsen wurden den von Dieskau von den Erzbischofen und, nachdem die Kapelle wüst geworden, denen von Rauchhaupt von Sagisdorf beliehen. Außerdem sind noch zwei Rittergüter zu Rideburg gewesen, wovon eines im 14. und 15. Jahrhundert die von Luptitz besessen und noch 1522 Ernst und Moritz Mathias von Lubtitz damit nebst 6 Hufen Landes, 4 Wiesen, den Kapellengarten und der freien Erbschenke beliehen worden, welches die Dieskauischen Güter zu sein scheinen. Das andere ist ein Vorwerk gewesen mit 4 dreiviertel Hufen Landes, zwei Wiesen und ein Garten, damit sind Hans Rauchhaupt zu Hohenthurm 1476 und Hans und Georg Rauchhaupt 1515 beliehen worden. Diese Güter haben später verschiedene Herren gehabt. Das eine davon war von 1621, das andere schon 1545 in anderen Händen. Dicht bei Rideburg liegt auch das amtsässige Rittergut Sagisdorf, von Rideburg nur durch einen Fuhrweg zu erreichen. Es gibt hier auch noch eine alte verwüstete Schanze die im magdeburgischen Territorium liegt, welche der von Rauchhaupt als Erbzinsgut besitzt. Sie gehört zur Stiftschreiberei und ist ringsherum mit einem grünen Wall eingefaßt. Sie hat inwendig einen schönen Platz, der zur Küchengärtnerei an die Einwohner verpachtet wird. Wann diese Schanze angelegt, und wann sie wieder verwüstet wurde ist unbekannt. Vermutlich aber ist, daß daselbst der Comterhof gestanden hat.
Quelle: 181/ 949. 2. Teil Achtzehntes Jahrhundert



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