Aus der Familienchronik:
Brachstädt - Dorf Rittergut und Pfarrkirche

Brachstädt ist vormals Brackstete und Braxstete genannt worden. Es liegt eine starke oder anderthalb kleine Meilen von Halle an der Dessauer und Berliner Land-und Poststraße. Es hat 47 Feuerstätten, aber darunter nur einen Anspänner und sieben halbe Spänner, auch sind darinnen zwei Gasthöfe und drei Schenken. Die Gasthöfe und eine Schenke müssen das Bier vom adelichen Gute nehmen. Die übrigen aber vom Amt Giebichenstein, welches auch sonst die Ober-und Untergerichte sowohl über das Dorf, als auch die Sattelhöfe daraus das adeliche Gut bestehet, gehabt. Die Erbgerichte über das Gut und Dorf wurden nunmehr aber von seiner Königlichen Majestät dem jetzigen Besitzer des Adelsgutes, dem Landrath Freiherr vom Schomberg, gegen einen jährlichen an das Amt Giebichenstein zu erlegenden Canon von 50 Reichstalern nebst dem Jure Potronatus concidiret. Die Bauern, so sich allhier verehelichen, müssen nach alter Gewohnheit an ihrem Hochzeitstage den Brautkranz nebst 16 Pfennigen auf dem adelichen Hof abgeben. Brachstädt, Wurp, Hohen und Eißmannsdorf müssen jährlich auf S. Stephanus einen Schinken von sechs Pfund und ein Brot von einem hallischen viertel Mehl gebacken, die Kolekschen (Collation) genannt, wegen ihrer Trifftgerechtigkeit an das Sächsische Amt Zörbigk liefern. 1596 hat der damalige Besitzer der Rittergüther Andreas von Beltzig den Weg von Brachstädt bis nach Halle vor das Neumärkische Tor durch einen langen Mann mit Schritten abmessen lassen. Es wurden 191 Schock gezählet, so sechs auf eine Ruthe gerechnet 1910 Ruthen ausmachen. Der Ackerbau und Viehzucht daselbst ist ziemlich gut. Auch sind gute Steinbrüche allda. Um Brachstädt herum liegen sechs Berge, so heidnische Grabhügel sind. Nicht weit davon ist auch ein Königliches Gehölze, die Altischine (Abbatissina) genannt.
§ 2 Die Pfarrkirche heißt zu St. Michaelis und ist sehr alt. Auf dem Glockenthurm hangen 4 Glocken, davon die Größte durch Simon Wild 1677 zu Halle und die folgende, sogenannte Elfen-oder Mittagsglocke 1599 gegossen ist. 1719 ist eine neue Orgel in die Kirche geschaffet worden. Die Kirche besitzet eine Hufe Landes und eine Wiese. Die Pfarre ist eine der austräglichsten im Saalkreise. Es gehöret dazu das Filial Eißmannsdorf und die beiden eingepfarrten Dörfer Hohen und Wurp.
§ 3 Das Rittergut hat ehemals aus verschiedenen kleinen Sattelhöfen bestanden. Diese wurden durch die von Beltzig zu Anfang des 16. Jahrhunderts zusammengebracht, aber nachgehends wurde einer davon abgerissen. Bis in diesem Jahrhundert der Geheime Kriegsrath Schomer Freiherr von Schomberg dieselben wieder zusammen vereinigt, desssen einziger Sohn der derzeitige Landrath im Saalkreise Carl Andreas Freiher von Schomberg sie noch beisammen besitzet. 1524 sind Christophen von Belzig und Heinrichen, seinen Bruder, nach dem Tode Friedrichs, ihres Bruders und ihres Vaters, und mit ihnen in gesamte Hand Heinrichen, ihren Vetter zu Wörpzig, von Cardinal und Erzbischof Albrechten zu Mannlehen verliehen wurden: Zu Brachstädt drei freie Sattelhöfe mit dem Pulverhofe, drei Wiesen frei, viereinhalb Hufen in der Breiten frei, samt gewissen Lehen, Zinsen zu Brachstädt und umliegenden Orten. desgleicen noch ein freier Sattelhof zu Brachstädt, den sie Severin Kurdick abgekauft, mit dritthalb Hufen, gelegen zu Brachstädt und die Knechtmorgen daselbst, ein Krughof und ein wüster Bauerhof alldar; die Brautpfennige zu Brachstädt, Wurp und Westendorf, ein freiher Hof auch gelegen zu Brachstädt, zwei wüste Höfe mit drei Hufen gelegen zu Westendorf in dem wüsten Dorfe und zu Brachstädt nämlich die Verndel und Breiten vor dem Holze an der Aptzinen frei, und eine Bockstedel genannt frei.

Haben also die Sattelhöfe besessen, die ersten die Beltzige, Löben und Rauchhaupte, und den letzteren die Kardicke, Beltzige, Drachsdorf, Löben, Rauchhaupte und Arras, welche nun wieder in dem Schom- bugischen Gute vereinigt sind. Übrigens ist dieser Ort der Stammsitz des Adlichen zu Halle seßhaften Geschlechts derer von Brachstedt gewesen, welches gegen das Ende des 15. Jahrh. ausgestorben, und von welchem in den Geschlechts-Registern einige Nachricht zu finden ist.
Quelle 185/887 2. Th.



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